Alternativen zur Klinik
Teil 1 der Serie "Alternativen zur Klinik" startet mit einem Interview mit Dipl.Vwt. Dr. Simon Hirschmann der seine Laufbahn nach dem Medizinstudium im Bereich der Gesundheitsökonomie gestartet hat.
Lieber Simon, du hast nach dem Medizinstudium keine klassisch-klinische Karriere eingeschlagen. Wofür hast du dich entschieden?
Ich arbeite bei der Gesundheit Österreich GmbH (www.goeg.at), im Geschäftsbereich Biqg (Bundesinstitut für Qualität im Gesundheitswesen). Die GOEG wurde vom Bund ins Leben gerufen und das Ministerium ist auch unser Hauptauftragsgeber. Die Arbeit ist bei uns projektorientiert und jedes Projekt muss entsprechend finanziert werden. Die Goeg arbeitet nach meinen ersten Eindrücken mit allen "Stakeholdern" im Gesundheitswesen zusammen, so kommen beispielsweise auch ehemalige Professorinnen und Professoren von mir als "Experten" zu manchen Meetings. Ich selbst arbeite zu einem großen Teil im Aufbau des "offiziellen Gesundheitsportals Österreichs", welches entweder Endes dieses Jahres oder Anfang nächsten Jahres online gehen soll. Die Entwicklung ist im Rahmen der Planung der "elektronischen Gesundheitsakte - ELGA" entstanden. Ich bin dort für verschiedene medizinische Belange des "Contents" verantwortlich. Außerdem arbeite ich im Bereich HTA (Health Technology Assessment". Da geht es um die wissenschaftliche Bewertung von Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit medizinischer Verfahren. Die Ergebnisse (nach Analyse der aktuellen Studienlage) werden dann den politischen Entscheidungsträgern als Entscheidungshilfe vorgelegt.
Hattest du von Anfang an vor nicht in der Klinik tätig zu werden?
Bereits zu Beginn meines Studiums wollte ich das zu erwerbende medizinische Know-How mit meinen ökonomischen Vorkenntnissen in exakt solch einem Arbeitsbereich wie bei der GOEG verknüpfen. Aber im Laufe des Studiums hat mich die klinische Tätigkeit sowie der Ausblick auf Lehre und Forschung ständig mehr begeistert, so daß ich nun doch wieder an eine Facharztausbildung denke.
Wie kam es dazu?
Ich studierte zuvor Volkswirtschaftslehre mit umfangreicher Arbeit im Bereich der "Gesundheitsökonomie". Die medizinischen Fähigkeiten und Kenntnisse haben mir jedoch damals zur professionellen Ausübung einer derartigen
Beschäftigung gefehlt. Also habe ich mich zum Schließen der "Lücken" entschlossen. Den Hinweis zur Bewerbung bei der GOEG habe ich von einem sehr netten Studienkollegen erhalten.
Wie sieht dein Arbeitsumfeld jetzt aus?
Ich arbeite zusammen mit sehr erfahrenen Medizinjournalisten. Das gesamte Arbeitsumfeld kann ich in Bezug auf die Kolleginnen und Kollegen nur als "hervorragend" bezeichnen.
Hast du Kontakt zu Patienten oder medizinischen Personal?
Zur Zeit noch nicht, eventuell später zu den medizinischen Experten in relevanten Gremien.
Wie siehts mit dem Verdienst aus?
Nur so viel: es ist etwas mehr als die Hälfte von dem, was mir sonst an Alternativen angeboten wurde. Großes Manko, wenn man sich irgendwann ein eigenes Dach über dem Kopf leisten können möchte.
Lässt sich das mit deiner Familie vereinbaren?
Da es immer wieder Zeiten gibt, wo mehr Arbeit anfällt, gab es schon einigen Erklärungsbedarf meiner Freundin gegenüber. Kinder habe ich selbst keine, aber auch mit Kindern lässt sich der Job relativ gut vereinbaren. Das sehe ich an den Arbeitskolleginnen und -kollegen.
Bleibt Zeit für Freizeit?
Bei hohem Arbeitsanfall eher weniger, aber ich habe mir die Freizeit schon fest vorgenommen. Urlaubsplanung ist da schon wichtig. Da bei einem regulären Arbeitsanfall aber die Möglichkeit der Gleitzeit recht gut genutzt werden kann, hat auch die Freizeit einen gewissen Raum.
Gibt es die Möglichkeit als Student schon vorab in das Arbeitsumfeld reinzuschnuppern? Wenn ja wie?
Die GOEG ist in den letzten Jahren sehr stark gewachsen und viele junge Menschen haben bereits während ihres Studiums mitgearbeitet. Aus- und Fortbildung wird im Unternehmen sehr stark gefördert und da wird eine flexible Arbeitszeit sehr von der Geschäftsführung unterstützt. Das kann ich nur als "vorbildlich" bezeichnen!
Wenn du nochmal vor dieser Entscheidung stehen würdest - würdest du den selben Weg eingeschlagen?
Ja, denn ich hatte konkrete Berufsvorstellungen und wollte seit Beginn meiner Studienzeit an der MUW diesen Arbeitsbereich kenenlernen. Wie sich allerdings mein Weg weiterentwickelt weiß ich noch nicht, da mein Wunsch
nach einer Facharztausbildung immer noch besteht. Optimal wäre es natürlich für mich, in beiden Bereichen gleichzeitig arbeiten zu können. An der MUW kann man ja auch eine Facharztausbildung gleichzeitig zu dem wissenschaftlichen Doktorat bzw. PhD machen. Das muss ich jedoch noch abklären.
Was wäre deine Alternative gewesen hättest du den Job nicht bekommen?
Sofortiger Start der Facharztausbildung Psychiatrie oder Neurologie. Vermutlich würde ich mit Psychiatrie und dem Gegenfach Neurologie anfangen, da ich mich dann eine zusätzliche Entscheidungsfrist von einem Jahr habe. In dieser Zeit könnte ich meine persönliche Präferenz für die Neurologie "re-evaluieren".
Lieber Simon, wir danken dir recht herzlich für dieses Interview und wünschen dir noch viel Glück und Erfolg in deiner weiteren beruflichen Laufbahn.
WK
Bild: Peter Kirchhoff (pixelio.de)
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Kommentare
Ich habe jetzt nicht verstanden, was der wirklich macht.