Alternativen zur Klinik: Executive-Research Unternehmen

Dr. Alexander Strehblow hat das Studium in Molekularbiologie fertig abgeschlossen. Er ist jedoch,bevor er jetzt in die Pharma-Branche einsteigen will, in einem alternativen Berufsfeld tätig gewesen. Zwei Jahre lang hat er in dem international größten Executive-Research Unternehmen, Heidrick and Struggles, gearbeitet.

Herr Dr. Strehblow, was genau ist ein Executive-Research Unternehmen?

Dr. Strehblow: Ein Executive-Research Unternehmen, wie Heidrick and Struggles, beschäftigt sich hauptsächlich im Bereich Head Hunting. Wir suchen und vermitteln also Führungspersonen für große und wichtige Firmen. Wie jedes solcher Unternehmen ist die Muttergesellschaft von Heidrick and Struggles in den USA angesiedelt und hat mittlerweile über 80 Firmensitze auf der ganzen Welt. Diese starke, globale Vernetzung bietet sehr viele Möglichkeiten und Vorteile.

Was genau war Ihre Aufgabe bei Heidrick and Struggles? Wie kann man sich die Arbeit als Head Hunter vorstellen?

Dr. Strehblow: In meiner Zeit dort habe ich an die 50 Projekte durchgeführt oder zumindest daran mitgearbeitet. Meine Arbeit erstreckte sich von der Profilerstellung der Kandidaten, welche den Ansprüchen des Kunden angepasst wird, über die Festlegung der Suchstrategien, also in welchen Branchen und bei welchen Unternehmen gesucht werden soll, bis hin zu dem direkten Ansprechen der ausgewählten Kandidaten. Wir versuchen dieses Verfahren von der Auftragsvergabe bis zur Einstellung in etwa 3 Monaten abzuhandeln. Allerdings kann vor allem die Besetzung von sehr hohen Positionen oder für Berufsfelder, wo nur wenige Kandidaten in Frage kommen, länger dauern.

Für welche Art von Positionen eignet sich Executive-Research und wo wäre die klassische Stellenausschreibung angebracht?

Dr. Strehblow: Ein Auftrag von uns (und den anderen Unternehmen auf diesem Gebiet) kostet in der Regel mindestens 50.000€. Also kommen als Auftraggeber nur wirklich bedeutende, internationale Firmen in Frage, die Spitzenpositionen besetzen wollen. Das eigentliche Entgelt richtet sich dann nach dem endgültigen Gehalt der zu suchenden Person (normaler Weise ein Drittel des brutto Jahresverdienstes), wobei  eben eine Grenze von mindestens 40.000€ gilt. Mit Spesen muss der Kunde eben mit 50.000€ rechnen.

Dieses Verfahren eignet sich ab einer Gehaltsstufe von 80 bis 90 tausend Euro. Bei niedrigeren Positionen sagen wir, dass eine klassische Stellenanzeige die bessere Option wäre – das würde sich auch für den Auftraggeber sonst nicht auszahlen.

Sie sind seit August 2008 Vater. Wie schaut es mit den Arbeitszeiten aus und den Reisen ins Ausland?

Dr. Strehblow: Mein Sohn war einer der Gründe, weshalb ich meinen Vertrag nicht mehr verlängert habe. Die Arbeitszeiten sind manchmal unüberschaubar, da man wirklich den ganzen Tag erreichbar sein muss und oft auch die Mittagspause mit einem Kundenessen zusammen legt, sonst würde sich das zeitlich gar nicht ausgehen. Ich habe auch viele Interviews, die nicht in Österreich stattfinden und muss entsprechend mobil sein. Nicht selten bearbeitet man bis zu zwölf Projekte gleichzeitig. Ich glaube, es kann sich jeder vorstellen, dass diese Arbeit ungeeignet ist, wenn man Familie hat.

Außerdem war es vonvorn herein klar, dass ich nicht für immer in dieseBerfusfeld arbeiten möchte. Mein Wunsch ist es, in der Pharmabranche tätig zu sein.

Haben Sie schon eine Vorstellung welcher Art Ihr zukünftiger Beruf sein wird?

Dr. Strehblow: Ich bin hier noch offen und schaue mich seit einiger Zeit um. Aufgrund der Wirtschaftskrise ist es nicht gerade leichter geworden, hier etwas zu finden. In Österreich kommen eigentlich nur die drei großen Pharmaunternehmen in Frage, das sind diese, welche eine eigene Produktion haben. Deswegen suche ich auch in der Schweiz und Deutschland. Auch das nähere EU-Umland kommt für mich in Frage.

Wie stehen die Chancen für Sie als Molekularbiolog und zum Beispiel für Ärzte in die Pharmabranche einzusteigen?

Dr. Strehblow: Hier gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Jobs.  Die Range reicht über Produktionsverfahren, Vertrieb bis über Forschung zum Management. Ärzte werden zum Beispiel in Vertriebsunternehmen und in der Qualitätssicherung gesucht. Ich würde hier zu den großen, internationalen Firmen raten. Ich persönlich möchte im Bereich der klinischen Studien oder als Medical Adviser arbeiten.

Welches Profil muss man erfüllen, um bei einem Unternehmen wie Heidrick and Struggles unterzukommen? Vielleicht wollen ja auch Mediziner als Zwischenstation im Executive-Research arbeiten.

Dr. Strehblow: Auch als Arzt hat man durchaus Chancen hier einzusteigen. Es wird kein spezielles Studium vorausgesetzt, sondern eher nach Generalisten gesucht. Man muss gut reden können und einen klaren Kopf bewahren. Ich kann nur jedem empfehlen, diese Erfahrung zu machen. Man lernt sehr viele Leute in ganz Europa kennen und verdient gar nicht so schlecht.

Welche Meinung haben Sie zu den aktuellen Korruptionsvorwürfen seitens der Pharmaindustrie und der illegalen Geschenksannahme seitens der Ärzteschaft?

Dr. Strehblow: Ich glaube, solche Streitigkeiten wird es immer geben. Einerseits versuchen die Firmen natürlich ihre Produkte zu verkaufen; andererseits werden die Fortbildungen für Ärzte nicht vom Staat finanziert, sondern eben von den Pharmaunternehmen. Auch in anderen Ländern gibt es diese Probleme. Es muss unbedingt eine neue Regelung her, aber ich bin mir sicher, dass dadurch wieder neue Probleme auftauchen werden.

Herr, Dr. Strehblow, wir danken Ihnen vielmals für das Interview!

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