Virushepatitiden

 

von Dr. Sabine Hansel-Bessey
und Dr. Janne Unger
Zentralinstitut für Labormedizin, Kreiskrankenhaus Böblingen

Klinik, Diagnostik, Prophylaxe

Die wichtigsten, durch primär hepatotrope Viren hervorgerufenen Hepatitiden sind:

Hepatitis A
Hepatitis B
Hepatitis C
Hepatitis D (D-Agens, nur in Kombination mit Hepatitis B)
Hepatitis E

(Hepatitis G)

Diese Viren gehören unterschiedlichen Virusfamilien an (DNA-Viren, RNA-Viren) und werden auf unterschiedlichem Weg übertragen.
Neben klinisch stummen Infektionen, die bei allen Hepatitisviren vorkommen können, sind die Symptome bei allen primären Virushepatitiden gleich:
Nach einem Prodromalstadium mit unspezifischen grippeähnlichen Symptomen kommt es zum Ikterus mit Dunkelfärbung des Urins und diffusen Schmerzen im rechten Oberbauch. die Leberenzyme GOT und GPT steigen rapide an.

Die Unterscheidung zwischen viraler, alkoholtoxischer und cholestatischer Lebererkrankung kann durch die Bildung der Quotienten der Leberenzyme erfolgen:

GGT/ GOT
>6
<1
alkoholtoxisch
Virushep.


(GOT+GPT)/GLDH
>50
<10
Virushep
Leberzirkulationsstörung


GOT/GPT
>1
<1
chron. akt. Hepatitis
Verschlußikterus

Die Enzyme normalisieren sich ca. 6-12 Wochen nach der Infektion.

HEPATITIS A

Virusfamilie: Enteroviren :Hüllenloses RNA-Virus

Vorkommen: Tropen und Subtropen, (vorallem Nordafrika und Arabien)

Übertragungsweg: enteral (durch kontaminierte Nahrungsmittel und Wasser)

Bei uns meist auf Reisen erworben. Das Virus wird mit dem Stuhl ausgeschieden. Es ist daher besonders häufig in Ländern mit schlechten hygienischen Bedingungen (ungeklärte Abwässer und Fäkaliendüngung)

Risikogruppen: Erhöhtes Risiko besteht bei medizinischem Personal und Kanal- und Klärwerksarbeitern

Krankheitsverlauf : Inapparente Verläufe sind häufig Fulminante Fälle oder tödliche Verläufe sind selten.

Chronifizierung : nein

Diagnostik: Die akute Infektion wird durch die Bestimmung von Anti-HAV-IgM nachgewiesen, die Serokonversion , auch nach Impfung durch die Bestimmung von Anti-HAV IgG bzw. Anti-HAVgesamt.

Beurteilung der Infektiosität durch den Antigennachweis im Stuhl.

Therapie: keine , ev. symptomatisch

Prophylaxe: aktive (und ev. passive) Immunisierung

HEPATITIS B

Virusfamilie: Hepadna-Viren: behülltes DNA-Virus

In die Hülle sind Oberflächenantigene ("surface antigen" : HBs-AG) eingebaut , die Hülle umschließt das Kapsid (HBc-AG c=core), das das Genom beherbergt.

Vorkommen : weltweit gehäuft in Südostasien, Zentral-und Südafrika

Übertragungsweg: parenteral: Nadelstichverletzungen Bluttransfusionen Geschlechtsverkehr vertikal (Mutter-Kind)

Risikogruppen : medizinisches Personal Drogensüchtige Prostituierte Hämophilie- und Dialysepatienten

Krankheitsverlauf: Die Inkubationszeit beträgt 4-12 Wochen. Die Krankheit kann ikterisch, aber auch anikterisch verlaufen. Dauer ca 2-12 Wochen. Bei 0,5-1 % der Fälle kommt es zu einer fulminanten Hepatitis, die tödlich verläuft, bei 80-90 % der Fälle kommt es zur vollständigen Ausheilung und Elimination der Viren.

Chronifizierung: Bei ca. 5-10 % entwickelt sich eine chronische Infektion mit Viruspersisitenz

Es lassen sich daraus drei Formen ableiten : 1. gesunde HBV-Träger 2. chron.persistierende Hepatitis ohne Virusvermehrung 3. chron-aggressive Hepatitis mit Virusvermehrung.

aus einer chronischen Hepatitis kann sich in 25 % der Fälle eine Leberzirrhose bzw. ein Leberzellkarzinom entwickeln.

Je jünger der Infizierte bei der Erstinfektion ist, desto höher das Risiko der Chronifizierung. (Neugeborene tragen das höchste Risiko)

Diagnostik:

Antigene:

  • HBs-Antigen (Hepatitis B surface Antigen) Weist auf die Anwesenheit des Virus in der Leber hin. Bei akuten und chronischen Infektionen positiv
  • HBc-Antigen.(Hepatitis B core Antigen) Nur in Leberzellen nachweisbar. Von Anfang an vorhanden. Im Serum nicht nachweisbar, da von Anti-HBc komplexiert.
  • HBe-Antigen (Hepatitis B envelope Antigen) verkürztes HBc-AG, das nicht fähig ist, zum Kapsid zu werden. Marker für aktive Virusreplikation. Bei chronischen Infektionen oft jahrelang im Serum nachweisbar.

Antikörper:

  • AntiHBc-IgG Frühmarker ; bei akuten , chronischen und ausgeheilten Infektionen nachweisbar.
  • Anti-HBc-IgM Frühantikörper bei akuter Infektion. Kann bei chronischen Infektionen längere Zeit persisitieren.
  • Anti-HBe Spätantikörper. Nachweis spricht für eine Serokonversion und Elimination von HBe-Antigen sowie das Ende der aktiven Virusreplikation.
  • Anti-HBs Spätantikörper, der bei einer akuten Infektion nach Verschwinden des HBs-AG auftritt. Signalisiert die Elimination des Virus und die Serokonversion. Einziger Antikörper nach Hep.B-Impfung (die mit HBs-Ag erfolgt.)

Serologischer Verlauf:

Status nach Impfung:

 

 

DNA-Nachweis : direkter Virusnachweis im Blut (PCR)

Therapie: chronische Infektion mit Interferon-alpha

Prophylaxe: aktive und passive Immunisierung Gentechnisch hergestellter Impfstoff mit rekombinantem HBs-AG

HEPATITIS C

Virusfamilie: Flaviviren : behülltes RNA-Virus (inzwischen 11 bekannte Genotypen)

Vorkommen: weltweit (Durchseuchung in Deutschland ca. 0,5 %)

Übertragungsweg: parenteral: Blutprodukte, -transfusionen sexuelle Kontakte (wenig effizient)

Risikogruppen: Drogenabhängige (Nadeltausch) medizinisches Personal Empfänger von Blutprodukten

Krankheitsverlauf: Viele Infektionen verlaufen inapparent.

Chronifizierung: Bis zu 80 % der Infektionen führen zu einer chronischen Infektion. Davon wiederum führen ca. 20 % zu einer Leberzirrhose mit erhöhtem Risiko für ein Leberzellkarzinom.

Diagnostik: die verfügbaren Antikörpertests erlauben keine Unterscheidung zwischen abgelaufener und akuter bzw.chronischer Infektion. Nachweis von Antikörpern: Anti-HCV

falsch-positive Bestimmungen kommen vor: unspezifische Bindung von Immunglobulinen an Testkomponenten , vorallem NS5-Protein.

Bestätigungstest auf Basis eines Protein-blots ist angeraten!

Kein Nachweis von HCV-Antigen möglich, da Konzentration im Serum zu gering

Untersuchung auf virale RNA (mittels PCR):

  • positiv. Replikation der Viren in der Leber
  • negativ: keine akute Infektion/ chron. nicht ausgeschlossen (wiederholte Bestimmung der HCV-RNA angezeigt)

Nur ca. 70-90 % der Infizierten reagieren positiv.

Therapie: abhängig vom Genotyp Interferon-alpha ev. auch in Kombination mit Ribavirin

Prophylaxe: keine Impfung möglich

HEPATITIS D

Virusfamilie: inkomplettes RNA Virus; Replikation nur mit Hilfe des Hepatitis B Virus möglich (Kapsid besteht aus HBs-Antigen)

Vorkommen: weltweit, gehäuft im Mittelmeerraum, mittleren Osten, Westafrika

Übertragungsweg: parenteral (siehe Hep.B)

Risikogruppen: i.v.Drogenkonsumenten chronisch HBV-Infizierte

Krankheitsverlauf: Bei gleichzeitiger Infektion mit HBV und HDV resultiert eine Hepatitis wie bei alleiniger Infektion mit HBV.

Bei Infektion eines chronisch HBV-Infizierten (Superinfektion)kann es zu einem fulminanten Verlauf kommen und einem raschen Übergang in eine Leberzirrhose.

Eine Infektion nur mit HDV ist nicht möglich, da das Virus sich nur mit Hilfe des HBV-Genoms replizieren kann.

Chronifizierung: ja, als Doppelinfektion mit HBV.

Diagnostik: Anti-HDV-IgG und IgM

HDV-Antigen

HDV-PCR

Prophylaxe: keine Impfung gegen HDV möglich, aber Impfung gegen HBV schützt vor Infektion mit HDV.

 

HEPATITIS E

Virusfamilie: Calici-Viren

Vorkommen: in Ländern mit niedrigem Hygienestandard

Übertragungsweg: enteral (fäkal-oral) Ausscheidung des Erregers in niedrigen Mengen im Stuhl. Direkte Infektionen selten, meist durch infiziertes Trinkwasser.

Risikogruppen: Fernreisende, medizinisches Personal

Krankheitsverlauf: akute Hepatits, insgesamt schwerere Verläufe als bei Hepatits A Bei Schwangeren fulminante Verläufe mit Todesfolge bekannt.

Chronifizierung: nein, heilt folgenlos aus.

Diagnostik: Nachweis von Anti-HEV HEV-RNA im Stuhl

Therapie: keine

Impfung: keine

HEPATITIS G

Virusfamilie: Flaviviren (RNA-Virus)

Vorkommen: weltweit

Übertragungsweg: parenteral

Risikogruppen: i.v.Drogenabhängige Dialysepatienten

Durchseuchung 2 %, viele gesunde Virusträger

Diagnostik: Anti-HGV

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