Österreichs Probleme mit Meinungen
Da war sie also. Zwar in kleinem Rahmen, aber immerhin. Puls 4 hat sich der aktuellen Problematik rund um die Sparmaßnahmen im AKH gewidmet und in der Sendung Pro und Contra den Aufhänger "Ärzte-Protest im AKH Wien: Steht unser Spitalswesen vor dem Herzinfarkt?" diskutiert. Die Gäste bestanden aus einer illustren Runde, die gleichsam auch die verschiedensten Auffassungen im AKH perfekt repräsentierten.
Dr. Röggla, Oberarzt an der Notfallaufnahme im AKH, zeigte mit wenigen Sätzen schonungslos auf, welche Kapazitätsgrenzen sein Team und er tagtäglich ausreizen, wenn nicht sogar überschreiten. Mit jedem Argument erkannte man, mit welcher Leidenschaft er seinem Beruf nach geht, jedoch immer mehr daran gehindert wird, diesen mit den notwendigen Ressourcen auszuüben. "Es gibt keinen Plan B" ist die eindeutige Aufforderung seiner Seite, nicht noch mehr Stellen an der Station mit dem wohl höchsten Burnoutrisiko neben Chirurgie und Anästhesie zu streichen.
Daneben saß Dr. Husslein, Leiter der Frauenheilkunde im AKH. Der Feschak wie aus dem Bilderbuch wurde ziemlich bald von Kurt Langbein mit dem Vorwurf konfrontiert, ab Mittag nicht mehr im AKH erreichbar zu sein. Zu sehr sei er in diversen Privatordinationen und -spitälern involviert. Der in die Enge getriebene Primar verteidigte sich mit dem Argument, man solle doch mehr Möglichkeiten im AKH für die Sonderklassen bieten, um seinen Standpunkt im selben Moment selbst zu widerlegen, da gerade erst an der Frauenheilkunde mehr Sonderklassebetten angeschafft wurden. Kurt Langbein entlarvte damit die zwei völlig unterschiedlichen Seiten, die im AKH Seite an Seite agieren. Auf der einen Seite die völlig an der Grenze ihrer Möglichkeiten agierenden Notfaller, die keinen weiteren Stellenkündigungen oder Nichtnachbesetzungen mehr verkraften können und auf der anderen Seite Primare, die das große Geld bei ihren Sonderklassepatienten in diversen Privatspitälern suchen und womöglich auch finden.
Dr. Wolner, emeritierter Leiter der Herz-Thorax-Chirurgie im AKH, spiegelte wiederum die verkorkste Seele jener Österreicher wider, die viel von Titeln und hochrangigen Gremien halten. Mit größtem Selbstverständnis wird die Vergangenheit lobgehudelt und schöngeredet: ”Bei mir konnte sich jeder Assistenzarzt den Zins für seine Wohnung leisten!” Und dass man als pensionierter Primar noch für Aufsichtsräte und Gremien gebraucht wird, rundet die Lebenskarriere ab. Scheinbare Querulanten wie Kurt Langbein, die einem die Selbstbeweihräucherung und Schönrednerei, wie toll alles nicht eigentlich ist, vermiesen, gefielen den alteingesessenen Herren vom Podium gar nicht. Mehrmals reagierten die Ärzte bis auf Dr.Röggla ungehalten auf die Vorwürfe des Journalisten, zum Beispiel in Bezug auf die oftmalige Abwesenheit mancher Primare ab Mittag. Eine einfache Famulatur im Rahmen des Medizinstudiums reicht aus, um Kurt Langbeins These zu bestätigen, wenngleich sie sowohl von Dr. Wolner als auch Dr. Szekeres heftigst dementiert wurde.
Im zweiten Teil der Sendung meldete sich, sichtlich nervös, die stellvertretende Vorsitzende der ÖH-Medizin, Birgit Ludwig, zu Wort und bekräftigte die Meinung, dass die Studierenden hinter den Lehrenden stehen und sich mit ihnen solidarisch erklären. Leider wurde hier die Chance vertan, die viele Probleme an der MUW, geschweige denn der Turnusproblematik oder dem Aufnahmestopp im AKH, anzusprechen.
Zum Nachsehen: Teil 1 und Teil 2
Zum Mitdiskutieren: Forumsthread
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